Angermann Recruiting-Filme: Interview mit Regisseurin Marina Kem, Sterntaucher Filmproduktion

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Marina Kem, Sterntaucher-Filmproduktion (Quelle: Sterntaucher)

Bewerberinnen und Bewerber, die sich über die Unternehmensgruppe Angermann und ihre Firmen als Arbeitgeber informieren möchten, können dies künftig auch anhand
von Recruiting-Filmen tun. Produziert wurden die Filme von Sterntaucher Filmproduktion. Wir sprachen mit Regisseurin Marina Kem.

Was macht einen guten Film für Bewerber aus?
Kem:
Authentizität ist hier ein wichtiger Schlüsselbegriff. Der Film sollte, wenn auch in komprimierter Form, die Realität abbilden und dem Bewerber möglichst Antworten auf alle seine Fragen geben. Die Art und Weise der Sprache sowie der Umgang der Mitarbeiter miteinander sind dabei wichtige Hinweise und zeigen, welche Unternehmenskultur gelebt wird.

Die Protagonisten sind ja Mitarbeiter und keine gelernten Schauspieler. Wie leiten Sie sie an, damit sie im Film möglichst natürlich wirken?
Kem: Ein wesentlicher Teil meiner Aufgabe besteht darin, eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen, in der sich die jeweiligen Protagonisten wohlfühlen und ungezwungen vor der Kamera agieren und sprechen können. Im Umkehrschluss heißt das: Wenn der Befragte keine Antworten gibt, ist dies das Problem des Fragestellers und muss von ihm gelöst werden.

Welche Vorarbeiten sind vor dem eigentlichen Dreh zu leisten?
Kem: Ein intensiver Austausch im Rahmen eines Workshops mit Menschen, die den Kern des Unternehmens ausmachen, ist im Vorfeld unerlässlich. Er gibt uns als Filmemachern die Möglichkeit, zu verstehen, an wen der Film adressiert ist und welche Botschaften übermittelt werden sollen. Im Fall des Angermann-Films war es beispielsweise ideal, dass Herr Dr. Angermann sich persönlich Zeit genommen und mit uns über seine Erwartungen an den Film und seine Sicht auf das eigene Unternehmen gesprochen hat.

Stehen Sie gelegentlich vor dem Problem, dass das Selbstbild des Unternehmens nicht mit dem tatsächlichen übereinstimmt?
Kem: Wir nehmen das Bild, das ein Unternehmen von sich hat und zeigen möchte, sehr ernst. Meiner Erfahrung nach haben die meisten Firmen auch ein recht gutes Gespür dafür, für welche Werte sie stehen, und können diese im Film auch authentisch vermitteln.

Welche Länge sollte ein Film haben?
Kem: Die Länge des Films hängt sehr stark von der Plattform ab, auf der er eingestellt werden soll. Eine optimale Zeitangabe kann es deshalb gar nicht geben. Aus Angst davor, dass ein Film zu lang ist, wird allerdings viel zu häufig versucht, alles schnell abzuhandeln. Erreicht wird dadurch aber eine Belanglosigkeit, durch die erst recht schnell weg -geklickt wird. Unsere Erfahrung ist, dass sich jemand, der sich – beispielsweise als Bewerber – für ein Unternehmen interessiert, einen gut gemachten Film auch über mehrere Minuten hinweg anschaut. Ich sehe Recruiting-Filme immer auch als eine Art Dokumentation, die der Zuschauer konzentriert und mit wachem Kopf verfolgt und nicht etwa, wie beim Fernsehen häufig, lethargisch und hypnotisiert.

Wie hat sich der Bedarf an bewegten Bildern bei den Unternehmen in den letzten Jahren entwickelt?
Kem: Den Wunsch, eine bewegte Visitenkarte für das Unternehmen zu haben, gab es auch schon vor fünfzehn Jahren, wenn auch nicht in dem Ausmaß. Gestiegen ist die Nachfrage nach Unternehmensfilmen durch die vielen unterschiedlichen Kanäle, über die Firmen mittlerweile verfügen und die sie gerne mit wechselndem Content bespielen möchten.

Wie ist Ihrer Erfahrung nach die Motivation der Mitarbeiter mitzumachen?
Kem: Das hängt sehr stark von der Unternehmenskultur und den im Unternehmen vorhandenen Persönlichkeiten ab. Unerlässlich ist aber, wie bereits erwähnt, eine Vertrauensbasis, die dem Mitarbeiter beispielsweise garantiert, dass keine Bilder oder Sequenzen benutzt werden, auf denen er sich nicht wiederfindet oder gar bloßgestellt fühlt.

Ist es im Gegenzug auch wichtig, dass Sie sich beim Kunden wohlfühlen und sich mit dem jeweiligen Unternehmen identifizieren können?
Kem: Absolut. Aus diesem Grund lehnen wir es bei Sterntaucher auch ab, für bestimmte Branchen oder Institutionen Filme zu machen. So drehen wir beispielsweise keine Werbespots für Parteien oder machen Filme für Unternehmen, die mit Waffen, Pharmazeutika, Alkohol oder Zigaretten handeln. Wir mussten dadurch zwar schon so manch lukratives Angebot ablehnen, aber nur so können wir für uns jene Authentizität abliefern, die wir auch im fertigen Film erreichen möchten.

Wie sind Sie zum Medium Film gekommen?
Kem: Ursprünglich wollte ich mal Balletttänzerin werden. Ich fand es faszinierend, mit einer anderen Sprache, dem Tanz, etwas auszudrücken. Durch einen Armbruch musste ich aber aufhören und fing nach der Schule ein Journalismus-Studium an. Das war mir aber zu kontrastierend und nicht offen genug. Das Korsett der Regeln, die mich zwangen, Informationen so zuzuspitzen, dass sie neu wirkten, war mir zu eng und zu einfach. Ich ziehe es vor, eine Thematik filmisch zu erleben und darin einzutauchen, so wie beim Dokumentarfilm.

Was sind für Sie die Ähnlichkeiten zwischen einem Recruiting- und einem Dokumentarfilm?
Kem: Eigentlich ist der Recruiting-Film in der Werbewelt zu verorten, aber Konzeption, Dreh und Schnitt ähneln doch sehr der Vorgehensweise, die ich auch bei meinen Dokumentarfilmen anwende. Allerdings habe ich hier keine eigenen Ambitionen, sondern muss die Ziele und die Botschaften des jeweiligen Unternehmens verstehen und im Film rüberbringen.

Bonne Nuit Papa – Filmdreh

Im Rahmen der Arbeit an Ihren Dokumentarfilmen haben Sie bestimmt viel erlebt. Haben Sie eine Anekdote für uns?
Kem: Da gibt es wirklich massenhaft Geschichten. Einmal sind wir fast verdurstet oder mussten vor Bremsfliegen fliehen. Bemerkenswert waren auch die riesigen Tellerspinnen, auf die wir bei einer Recherchereise für Arte im Benin gestoßen sind und die Jagd auf Geckos gemacht haben. Am bedeutendsten für mich war jedoch, dass ich im Zuge meine Dokumentarfilms „Bonne Nuit Papa“ meine kambodschanische Familie kennengelernt habe, die mich sehr offen und herzlich empfangen hat. Obwohl wir uns gar nicht kannten, haben mir alle sofort das Gefühl gegeben, zu Hause zu sein.

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